Klavier, E-Piano oder Keyboard?

Das Klavier

Üblicherweise versteht man unter dem Begriff "Klavier" ein Tasteninstrument mit rein mechanischer Klangerzeugung. Durch eine spezielle Hammermechanik werden beim Spielen auf der Klaviertastatur kleine Filzhämmerchen in Bewegung gesetzt. Diese schlagen gegen eine (oder mehrere) Klangsaiten, die verschieden gestimmt sind. Sie geraten in Schwingung und erzeugen einen Ton.

Die komplexe Hammermechanik heutiger Klaviere und Flügel hat sich in über 300 Jahren entwickelt. Ihr liegen eine Vielzahl physikalischer Überlegungen zugrunde.

Das Klavier ist so konstruiert, dass die Gewichtskraft des Armes ausreicht, um die Tasten nach unten zu bewegen. Das heißt: Sie können ohne Anwendung von Muskelkraft (denn die Gewichtskraft ist immer vorhanden) einen Ton auf dem Klavier erzeugen. Die Mechanik ist sogar so durchdacht, dass das Armgewicht dabei keine Rolle spielt. Das heißt, ein Erwachsener und ein kleines Kind würden dieselbe Lautstärke erzielen, wenn sie allein mit der Gewichtskraft ihres Armes die Klaviertastatur herunterbewegen. Einzige Voraussetzung ist, dass sie beim Spielen locker sind. Das ist wiederum nicht so einfach.

Ich erwähne das an dieser Stelle, damit verständlich wird, was ich mit meiner Schule bezwecke. Mit einem speziellen Übungsprogramm wird der Schüler zu einer Spielhaltung angeleitet, bei der die Gewichtskraft des Armes beim Spiel optimal eingesetzt wird. Dadurch werden zum einen Verspannungen vermieden, auf der anderen Seite werden aber auch die eigene Muskelkraft und die mechanischen Feinheiten des Instruments ergonomisch genutzt. Auf diese Weise werden Geläufigkeit und präzises Spiel ermöglicht, und das gilt sowohl für das Klavier als auch für das Keyboard.

Das E-Piano

E-Pianos (auch Digital-Pianos) unterscheiden sich von den mechanischen Klavieren zunächst einmal grundsätzlich durch die Art der Klangerzeugung. Die Töne werden in der Regel elektronisch erzeugt. Dabei werden sowohl die Tonhöhe als auch der Tastenanschlag (weich, hart, laut, leise) berücksichtigt.

Die hohe Rechenleistung, die dem E-Piano dabei abverlangt wird, beschränkt aber die Anzahl der gleichzeitig wiedergegebenen Töne. Das ist ein wichtiger Punkt, wenn es um den Kauf eines solchen Gerätes geht. Die neusten Geräte können heute 98 Töne zugleich berechnen (also auf einmal spielen). Man spricht hier auch von der Polyphonie eines Gerätes. Noch vor einigen Jahren waren E-Pianos mit einer 32-fachen Polyphonie die Spitzenmodelle. Für eine professionelle Anwendung ist aber mindestens eine 64-fache Polyphonie empfehlenswert.

Falls Sie sich fragen: Was soll ich mit einem Gerät, das 64 Töne auf einmal berechnen kann, wo ich doch nur 10 Finger habe? - Sie brauchen nur das Haltepedal gedrückt halten und mehrere Töne aneinanderreihen. Schon kommen Sie sehr schnell in einen Bereich, der über 32 Töne hinausgeht. Wenn Ihr E-Piano das nicht berechnen kann, heißt das, dass der erste Ton wieder verschwindet, wenn Sie den Ton Nr. 33 spielen. Es geht hier also um das Klangvolumen, das erzeugt werden kann.

Man kann generell tragbare (sogenannte Stage-Pianos) von nicht-tragbaren E-Pianos unterscheiden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Sind Sie mit ihrem Gerät viel unterwegs, dann kaufen Sie ein tragbares Gerät, das schnell auf- und abbaubar ist. Doch aufgepasst: Bei kostengünstigeren Modellen muss man hier unter Umständen eine schlechtere Klangqualität in Kauf nehmen.

Die nicht tragbaren Geräte bieten sich an, wenn Sie das Gerät an Ort und Stelle lassen wollen. Sie haben ein eingebautes Lautsprechersystem, das für eine hervorragende Klangqualität sorgt. Dafür sind diese Geräte aber auch deutlich schwerer auf- und abzubauen oder zu transportieren.

Die komplexe Hammermechanik - und damit das Spielgefühl - eines Klaviers oder eines Konzertflügels wird beim E-Piano durch eine besondere Mechanik täuschend ähnlich simuliert. Das E-Piano kann somit ein angemessener Ersatz sein, wenn man z.B. keinen Platz für ein Klavier hat. Ein großer Vorteil dieser Geräte ist, dass man sie beim Spielen lauter und leiser einstellen kann. Für das Üben in Mehrfamilienhäusern sind sie daher ideal, zumal man auch mit Kopfhörern üben kann.

Außerdem besitzen E-Pianos verschiedene Sounds (Klänge), die das Spielen abwechslungsreicher machen. Man hat üblicherweise die Auswahl zwischen mehreren Klavierklängen (normales Klavier oder Flügel), mehrere E-Piano-Sounds, verschiedene Orgelsounds (Jazz- und Kirchenorgel), Streicher, Chor etc. Die Auswahl und die Klangqualität der Sounds ist abhängig von dem jeweiligen Instrumenten-Modell.

Während ein neues Klavier ca. 3400 Euro kosten sollte, kosten E-Pianos bei guter Qualität um die 1000 Euro (die genannten Preise sind Neupreise).

Das Keyboard

Genauso wie die E-Pianos besitzen auch Keyboards verschiedene Sounds (Klangfarben) zur Auswahl. Die Zielsetzung ist jedoch eine andere. Während beim E-Piano die Klangeigenschaft und das Tastengefühl eines Klaviers oder Konzertflügels imitiert werden, geht es beim Keyboard darum, eine Vielzahl von Klängen (Sounds) und vor allem Rhythmen (Styles) zur Verfügung zu stellen.

Schon die einfachsten Geräte verfügen über 100 verschiedene Sounds und Styles. Mit einem Keyboard ist es möglich, den Klangeindruck einer gesamten Band zu erzeugen. Mit allem was dazu gehört: Bass, Schlagzeug, Percussion, Gitarren, Streicher usw. Mit hochwertigen Instrumenten können Sie Songs produzieren, wie man sie auch im Radio oder auf Audio-CDs zu hören bekommt.

Das Spielgefühl ist nicht mit dem eines Klaviers oder E-Pianos zu vergleichen. Die Mechanik der Klaviertastatur - und damit der Druckwiderstand der einzelnen Tasten - wird beim Keyboard nicht imitiert. Man spielt auf einer leichtgängigen Tastatur. Trotzdem wird, wie beim Klavier oder E-Piano, die Lautstärke des Tons durch unterschiedlich starken Tastendruck beeinflusst (Anschlagsdynamik). Bei älteren Geräten mit schlechteren Spieleigenschaften kann diese Funktion fehlen. Darauf beim Kauf achten!

Die Anzahl der Tasten stimmt nicht mit der eines Klaviers überein. Das Keyboard besitzt weniger Tasten, ist dafür aber auch um einiges kleiner und leichter zu transportieren.

Obwohl das Keyboard nicht mit einem Klavier oder E-Piano vergleichbar ist, verlangt es dem Musiker doch die gleiche Spieltechnik (Klavierspieltechnik) ab. Ein gleichmäßiges Tastenspiel, hohes Spieltempo, Spielausdauer und ein sauberer Klang sind auf dem Keyboard nämlich genauso wichtig, wie auf einem Klavier.

Mit dem Begriff "Keyboard spielen" verbindet man in der Regel insbesondere das Spiel mit der Rhythmusbegleitung (linke Hand) während die rechte Hand eine Melodie dazu spielt. Diese einfachere Spielweise (verglichen mit dem Klavier) bietet dem Schüler einen leichten, aber abwechslungsreichen Einstieg, bei dem nach und nach all die Fähigkeiten erlernt werden können, die man als guter Musiker auf einem Tasteninstrument benötigt.